„Anti-Mode ist die neue Mode“, pflegte meine Professorin für Modedesign immer zu sagen. Das war vor fünf Jahren, als das Wort Influencer noch nicht populär war. Anti-Mode meint tragbare, unangestrengte Mode ohne viel Chi-Chi. Heute erinnere ich mich wieder an diesen Satz.
Ich bin auf der Suche nach einem tollen Fundstück aus dem Influencer- oder Content-Marketing und mir fällt nichts Besseres ein, als in den Fotos von Caro und Alana zu wühlen. Dabei ist mir nicht bewusst, dass sich ein Trend direkt vor meinen Augen befindet. Dass ich eigentlich nur meine bunte Süßigkeitentüte öffnen muss, um etwas zu entdecken, das sich schon längst unter uns gemischt hat. Caro und Alana spielen dabei eine große Rolle. Erstere zelebriert das Mondäne, den Glamour. Letztere die Andersartigkeit, den Sarkasmus.

„Auf den überteuerten Luxus folgt jetzt eine Gegenbewegung, die mit den Codes des Normalen oder gar Lächerlichen spielt“, kommentierte Alfons Kaiser, Mode-Experte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er bezog sich auf Modelabels wie Vetements oder Off-White, die tragbare Mode wieder allgegenwärtig machen. Eine Anti-Mode-Mode sozusagen. Übersetzen können wir dies auch für Instagram: Auf Caros glamourös inszeniertem Instagram-Account folgt Alanas rotziges Profil. Caro ist Dolce & Gabbana, Alana mehr so Vetements. Und tatsächlich, wenn ich die Instagram-Accounts beider Labels vergleiche, sehe ich genau jene Ästhetiken, die die beiden Frauen jeweils bis ins kleinste Detail perfektionieren.