LR pixel Hippie Heidi - Business of Content

Der Aufbau einer erfolgreichen Marke ist harte, teure Arbeit. Haben es die Kernattribute einer Brand einmal in die Köpfe der Konsumenten geschafft, wird tunlichst nicht mehr daran gerüttelt. Re-Brandings gelingen sehr selten. Heidi Klum hat es dennoch geschafft, ihre Markenstory  umzuschreiben – und keiner weiß so recht, wie ihr das gelungen ist.

Startete das große Umstyling der Marke Heidi Klum im September 2024, als sie im straighten Polizei-Leder für Vetements und ihren Freund Guram Gvasalia, Vetements-Kreativdirektor, in Paris über den Laufsteg schritt? Der Walk bei der Frühjahr/Sommer-2025-Show des Intellektuellen-Labels  war in jedem Fall eine schallende Ohrfeige für alle, die „die Klum“ als Boxenluder des Konsumgütermarketings in die Bückregal-Regionen der Mode sortiert hatten. So wie Karl Kagerfeld, der 2009 auf die Frage, ob er Heidi Klum kenne, pikiert über seinen Fächer hinweg säuselte: „Die war niemals in Paris.“  Oder Roger Wilhelmsen, der Heidi Klum und ihre Show „Germany’s Next Topmodel“ 2009 in einem taz-Interview ultimative Belanglosigkeit attestierte und wüst in den Boden stampfte. Auch Business of Content setzte sich bereits kritisch mit dem „Diversity Zoo“ GNTM auseinander.

Heidi Klum als darker Polizei-Vamp im Graulicht der Vetements-Schau in Paris 2024

In den USA, wo Heidi Klum seit 33 Jahren lebt, über 11 Staffeln in der Jury der Talentshow „America’s Got Talent“ saß und 17 Staffeln lang die Castingshow „Project Runway“ prägte, gilt sie dagegen lange schon als „eine von uns“. Klar, die Klumsche Anpacker-Mentalität und ihr ostentativer Spaß am Erfolg sind so typisch us-amerikanisch wie der Eimer Popcorn zum Superbowl. Heidi Klum ist Serien-Gast in der „Tonight Show“ von Jimmy Fallon, in den USA ein unschlagbares Signal kultureller Relevanz. Auf seinem Sofa begegnet ihr Fallon nicht als „der Deutschen“, sondern als „der Klum“: einer erfolgreichen, sexy, mutigen – und lustigen Frau.  Und in den letzten Jahren kam noch eine neue Facette hinzu: In den USA bekommt die 53-jährige Model-Entertainerin viel Aufmerksamkeit dafür, dass sie sich gegen den hohlwangigen Ozempic-Look positioniert und auch ihre Befindlichkeiten rund um die Wechseljahre öffentlich macht.

Highlanderin meets Pop-Elfe: Heidi Klum als Braut auf dem Laufsteg von
Vivienne Westwood im August 2026

Mit ihrer selbstbewussten Haltung einer älteren Frau im Medienbusiness erntet sie Respekt – sogar von Feministinnen in Deutschland. Ihre Beiträge zum Thema werden von Fighterinnen für die Sichtbarkeit von Frauen 47+ im Medienbusiness und überhaupt ebenso geliked, wie von Sophie Passmann. Die feierte in einer der letzten Ausgaben ihres Podcasts, in der Ex-GNTM-Siegerin Stefanie Giesinger zu Gast war, Heidi Klum als ultimative Ikone weiblichen Selbstbewusstseins. Für Giesinger ist die Modelmama gar die perfekte Verkörperung des Hippie-Prinzips. Einen Schub dürfte dem Klumschen Re-Branding ganz sicher auch die Heirat mit dem 16 Jahre jüngeren Bill Kaulitz verschafft haben, auf den sich – immer im Doppelpack mit seinem Zwilling Bill Kaulitz – offenbar zurzeit halb Deutschland einigen kann. Dass die Zwillinge im Dezember 2026 einen Rettungsversuch des deutschen Familienentertainment-Flaggschiffs „Wetten dass …?“ unternehmen werden? Nur konsequent. Legte doch auch Heidi Klum einen der Grundsteine ihrer Karriere in diesem Format – im Gespräch mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. 2026 war dann das Jahr, in dem die Aufwertung der Marke Heidi Klum zwei neue Höhepunkte erreichte: Im Mai 26 zierte „la Klum“ das Cover des Zeit-Magazins, in dem man ihr ein großes Titel-Interview widmete und im im August 26 schloss sie erstmals in ihrer Karriere eine Show auf der Pariser Fashionweek – als Braut für Vivienne Westwood. Das Kleid war eine Art verschleierte und bestickte Corsagen- Lendenschurz-Kombi für Hippie-Amazonen. Westwood-Chefdesigner Andreas Kronthaler überreichte ihr zum Song „Das Karwendellied“ der Zillertaler Schürzenjäger einen Mega-Sonnenblumenstrauß und verneigte sich bodentief vor der 53-Jährigen, die mit diesem Move auf dem Olymp der Mode-Diven angekommen ist. Respekt, Heidi.

Und gut gelaunte Unicef-Botschafterin ist sie jetzt auch noch

Alle Artikelbilder stammen von Heidi Klums Instagram-Account.